Julia von Lucenec
Autor: Siegfried Wollinger
Ein Hund ist kein Besitz. Er ist ein Familienmitglied. Wer sich für einen Hund entscheidet, übernimmt Verantwortung – möglicherweise für die nächsten zehn, fünfzehn oder sogar noch mehr Jahre. Ein Hund braucht Futter und Wasser, Bewegung, Pflege und tierärztliche Betreuung. Vor allem aber braucht er Zeit, Aufmerksamkeit, Beschäftigung und die Nähe seiner Menschen. Urlaube müssen geplant, Spaziergänge auch bei schlechtem Wetter gemacht und manche Gewohnheiten an den neuen vierbeinigen Mitbewohner angepasst werden. Das alles bedeutet Verantwortung und manchmal auch Verzicht. Doch was man dafür bekommt, lässt sich kaum in Worte fassen. Ein Hund fragt nicht nach deinem Beruf, deinem Alter oder deinem Bankkonto. Es ist ihm egal, ob du heute besonders gut aussiehst oder einen schlechten Tag hattest. Er freut sich einfach, dass du da bist. Er begleitet dich, bringt dich hinaus in die Natur, sorgt für Bewegung und Struktur im Alltag und kann gerade für Menschen, die viel Zeit alleine verbringen, ein wunderbarer Gefährte sein. Und irgendwann stellt man fest: Eigentlich kümmert man sich nicht nur um seinen Hund – der Hund kümmert sich auf seine ganz eigene Weise auch um uns. Züchter oder Tierschutz? Es spricht nichts dagegen, sich nach gründlicher Information für einen Hund von einem verantwortungsvollen und seriösen Züchter zu entscheiden. Aber bevor diese Entscheidung fällt, lohnt sich auch ein Blick in ein Tierheim oder zu einer seriösen Tierschutzorganisation. Dort warten unzählige Hunde – junge und alte, große und kleine, Mischlinge und Rassehunde – auf ihre zweite Chance. Viele von ihnen haben ihr Zuhause verloren. Manche wurden ausgesetzt oder schlecht behandelt. Andere haben vielleicht noch nie erfahren dürfen, wie es sich anfühlt, wirklich zu einer Familie zu gehören. Auch Julie war einmal einer dieser Hunde. Sie hatte keinen einfachen Start ins Leben. Über den Tierschutz bekam sie schließlich die Chance auf ein neues Zuhause – und aus einem Hund, der gerettet werden musste, wurde ein geliebtes Familienmitglied. Vielleicht ist gerade das eine der schönsten Seiten des Tierschutzes: Man glaubt, man rettet einen Hund – und irgendwann merkt man, wie viel dieser Hund einem selbst geschenkt hat. Bitte keine Hunde aus dubiosen Quellen Besonders vorsichtig sollte man bei vermeintlichen „Schnäppchen“ aus dem Internet, von Märkten, Parkplätzen oder aus dem Kofferraum sein. Hinter solchen Angeboten kann illegaler Welpenhandel stecken. Die Tiere werden teilweise viel zu früh von ihren Müttern getrennt, unter schlechten Bedingungen transportiert und ohne ausreichende medizinische Versorgung verkauft. Auch die Muttertiere können unter unwürdigen Bedingungen als reine „Gebärmaschinen“ gehalten werden. Der günstige Welpe kann deshalb nicht nur großes Tierleid bedeuten, sondern für seine neuen Besitzer später auch mit gesundheitlichen Problemen, hohen Tierarztkosten und viel Kummer verbunden sein. Darum sollte ein Hund niemals spontan oder allein aufgrund eines niedrigen Preises gekauft werden. Ein seriöser Züchter oder eine verantwortungsvolle Tierschutzorganisation wird Fragen stellen, beraten und darauf achten, ob Hund und zukünftige Familie wirklich zueinander passen. Eine zweite Chance Julie kam über den Tierschutz zu uns. Deshalb liegt mir die Arbeit jener Menschen besonders am Herzen, die Hunde retten, versorgen und auf ein neues Leben vorbereiten. Pflegestellen leisten dabei Außergewöhnliches. Sie nehmen Tiere bei sich auf, schenken ihnen Sicherheit und Vertrauen und bereiten sie mit viel Geduld auf ihr zukünftiges Zuhause vor. Manche kümmern sich sogar um alte, kranke, blinde, taube oder körperlich beeinträchtigte Hunde. Diese Menschen verdienen meinen größten Respekt. Wer einem Hund aus dem Tierschutz ein Zuhause schenkt, bekommt vielleicht keinen Hund mit perfekter Vergangenheit. Aber er kann ihm eine wunderbare Zukunft schenken. Und dann beginnt das gemeinsame Leben … Wer nach reiflicher Überlegung feststellt, dass ein Hund zu seinem Leben passt und bereit ist, die Verantwortung dafür zu übernehmen, darf sich auf etwas ganz Besonderes freuen. Auf Spaziergänge und Abenteuer.Auf nasse Pfoten im Haus.Auf Haare an Stellen, an denen eigentlich gar keine sein dürften.Auf erwartungsvolle Blicke beim Essen.Auf ein freudiges Willkommen, selbst wenn man nur zehn Minuten weg war. Und vor allem auf einen Freund, der einen großen Teil seines Lebens an unserer Seite verbringen wird. Es gibt einen Spruch, der für mich vieles zusammenfasst: „Nicht jede Hand, die ich hielt, hat es verdient – aber jede Pfote.“ Wenn man Julie heute ansieht, könnte man glauben, wir hätten damals einen Hund gerettet. Vielleicht war es aber auch ein kleines bisschen umgekehrt.

Ein Freund fuers Leben

Leben